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Plattform
Sexualpädagogik
Südtirol

Frühsexualisierung unserer Kinder

waldemarker Oktober 18, 2016 @ 9:39PM
Frühsexualisierung unserer Kinder

Die Freiheitlichen vertreten in ihrer Pressemitteilung Meinungen, die nicht den fachlichen und ethischen Debatten und Auseinandersetzungen der Sexualpädagogik entsprechen, sondern lediglich Ängste und Zuschreibungen provozieren.

Der Plattform Sexualpädagogik Südtirol ist es deshalb ein Anliegen, die Grundsätze der Sexualpädagogischen Professionalität zu benennen: Sexualpädagogik als wissenschaftliche Disziplin muss sich mit der in der Gesellschaft vorhandenen Pluralität und Diversität auseinandersetzen. Diese Vielfalt erfasst verschiedeneAspekte der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, so beispielsweise diverse sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, ethische, kulturelle und religiöse Überzeugungen sowie Erfahrungen mit und Einstellungen zu Sexualität und Beziehungen.

Sexualpädagogik als Praxis unterstützt Kinder und Jugendliche in ihrer psychosexuellen Entwicklung, indem sie Angebote schafft, in denen sie sich mit Themen wie Körper, Liebe,Beziehung, Lust, Sinneserfahrungen und Grenzen auseinandersetzen. Das ist grundsätzlichnotwendig, vor allem aber weil Sexualität in der Gesellschaft tabuisiert, medial inszeniert,kommerzialisiert sowie politisiert wird. Sexualpädagogik bietet einen geschützten Raum, indem Heranwachsende gemeinsam, persönlich und nah an ihren eignen Erfahrungen überSexualität, Liebe und Moral reden und sich austauschen können. Dabei können sie eigeneHaltungen entwickeln und reflektieren. Ein wichtiges Ziel für Kinder und Jugendliche ist es zulernen nicht zu diskriminieren und andere in ihrem Anderssein anzuerkennen. Für lesbische,schwule, hetero-, a-, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Jugendliche und jungeErwachsene ist es darüber hinaus wichtig, Solidarität und Unterstützung sowohl durchprofessionelle Kräfte als auch durch andere Jugendliche zu erfahren, damit sie ein stabilesSelbstbewusstsein entwickeln können.

Gerade deshalb wünschen sich auch explizit viele Eltern eine Sexualerziehung in derSchule, um ergänzend zur familiären Sexualerziehung die Kinder und Jugendlichenaltersangemessen zu begleiten. Dieser Aspekt wird immer wieder in den eigensabgehaltenen Elternabenden von den Eltern selbst angesprochen.

Die ethisch-rechtliche Ausrichtung der Sexualpädagogik basiert in einer demokratischenGesellschaft auf den Menschenrechten und dem Grundgesetz. Diese garantieren auch inden Bereichen von Sexualität und Partnerschaft das Recht, ein Leben in Selbstbestimmungzu führen mit der Verpflichtung, andere durch das eigene Verhalten nicht zu schädigen. Einedurch gesellschaftliche Humanität geprägte Erziehung zur Mündigkeit übernimmt dieVerantwortung, Kinder und Jugendliche entwicklungsangemessen auf dem Weg in einselbstbestimmtes Sexual- und Liebesleben zu begleiten und für deren Schutz Sorge zutragen. Zu einer selbstbestimmten und verantwortungsvollen Sexualität gehört das Erkennenund Achten der eigenen Grenzen und derer des Gegenübers.

Sexualpädagogik wirkt präventiv, wenn sie Kinder und Jugendliche dazu befähigt, sich auch mit problematischen Aspekten von Sexualität und Beziehung auseinanderzusetzen, anstatt diese zu tabuisieren. Dazu gehört z. B. die Thematisierung ungewollter Teenagerschwangerschaften, sexuell übertragbarer Infektionen und sexualisierter Gewalt. Es ist durch die Forschung ausreichend belegt, dass Verbote, Abschreckung und kognitive Aufklärung allein keine präventive Wirkung haben. Gerade aus diesem Grund erfüllt die Schule eine wichtige Bildungs- und Präventionsaufgabe, da die Sexualerziehung in den Rahmenrichtlinien des Schulamtes enthalten ist.

Sexualpädagogik als Profession sorgt schließlich dafür, dass eigene Experten und Expertinnen gemäß den internationalen Standards ausgebildet und auf ihre Aufgabe vorbereitet werden.

Die Freiheitlichen sollten sich zuerst bei den spezifischen Fachstellen in Südtirol und bei kompetenten Experten und Expertinnen informieren, bevor sie mit unsachlichen Debatten und populistischen Äußerungen Behauptungen aufstellen, die nicht der Realität entsprechen, sondern lediglich unbegründete Ängste schüren und Diskriminierungen fördern.